BST SB2 Klebeverfahren — PV-Montage ohne Dachdurchdringung
Wie man Photovoltaik-Anlagen sicher auf Foliendächern befestigt, ohne die Abdichtung zu verletzen.
Das Problem: PV auf Foliendach
Moderne Gewerbe-Flachdächer sind fast immer mit Kunststoff-Abdichtungsbahnen (FPO, TPO oder PVC) versehen. Diese Folien sind extrem langlebig — aber nur, solange niemand ein Loch hineinbohrt. Genau das passiert aber bei herkömmlicher PV-Montage: Stockschrauben durchdringen die Folie, werden mit Manschetten abgedichtet, und nach 10–15 Jahren sind die Manschetten das schwächste Glied im System.
Ergebnis: Undichtigkeit, Wasserschaden, Garantieverlust der Dachabdichtung. Besonders bei Miet- oder Pachtgebäuden ein juristisches Risiko.
Die Lösung: Kleben statt Bohren
Das BST SB2 Klebeverfahren schafft eine dauerhaft belastbare Verbindung zwischen der Dachfolie und speziellen Befestigungsprofilen — ganz ohne Durchdringung der Abdichtungsebene. Die Technologie basiert auf thermischer Verschweißung: Ein Heißluftgerät aktiviert die Kontaktfläche, Folie und Profil gehen eine molekulare Verbindung ein.
Das Ergebnis ist stärker als eine mechanische Verschraubung und altert gleichmäßig mit der Dachfolie selbst.
Ablauf der Montage
- Statische Bemessung — Für jeden Standort werden Windzone, Gebäudehöhe, Dachrandabstand und Schneelast berechnet. Daraus ergibt sich die Anzahl und Position der Klebepunkte.
- Reinigung der Folie — Die Klebeflächen werden gereinigt und entfettet. Bei FPO/TPO ist keine Grundierung nötig, bei PVC wird ein Primer aufgetragen.
- Positionierung der Profile — Die BST SB2 Befestigungsprofile werden gemäß Statikvorgabe ausgerichtet und fixiert.
- Thermische Aktivierung — Mit einem kalibrierten Heißluftgerät (ca. 350–400 °C) wird die Kontaktzone aktiviert. Die Folie und das Profil verschmelzen zu einer homogenen Verbindung.
- Aushärtung (24h) — Die Verbindung erreicht nach 24 Stunden bei mindestens 5 °C ihre volle Belastbarkeit.
- Montage der Unterkonstruktion — Auf den verklebten Profilen werden Montageschienen befestigt. Ab hier ist alles identisch zur konventionellen PV-Montage.
- Qualitätskontrolle — Stichprobenartige Zugprüfung der Klebeverbindungen, Dokumentation für Bauakte.
Technische Daten
| Verfahren | Thermische Verschweißung / Heißluft-Aktivierung |
| Geeignete Dachfolien | FPO (Sarnafil, Sikaplan), TPO (Carlisle, Firestone), PVC (Protan, Alwitra), EPDM (eingeschränkt) |
| Windsogsicherheit | Nachweis nach DIN EN 1991-1-4 (Eurocode 1, Wind) |
| Haftkraft pro Klebepunkt | 1,5–3,5 kN je nach Folientyp (geprüft bei -20 °C bis +80 °C) |
| Aushärtezeit | 24 Stunden bei ≥ 5 °C Umgebungstemperatur |
| Verarbeitungstemperatur | +5 °C bis +35 °C (Folienoberfläche) |
| Lebensdauer | Gleichwertig mit Dachfolie — 30+ Jahre unter Normalbedingungen |
| Zertifizierung | Geprüft durch unabhängiges Prüfinstitut, bauaufsichtlich zugelassen |
| Max. Modullast | Übliche PV-Module (20–30 kg/m²) ohne Einschränkung |
Vorteile gegenüber durchdringender Montage
✓ Kein Garantieverlust
Die Dachabdichtung bleibt unangetastet. Der Folienhersteller behält seine Gewährleistung (typ. 15–25 Jahre).
✓ Null Leckagerisiko
Keine Durchdringung = keine Undichtigkeit. Auch nicht nach 20 Jahren Alterung und Temperaturwechsel.
✓ Windsogsicher nach Eurocode
Standortindividuelle Statik. Dachrand- und Eckbereiche werden mit höherer Klebepunkt-Dichte ausgeführt.
✓ Schnellere Montage
Kein Bohren, kein Abdichten, kein Warten auf Dachdecker. Montage und Kleben in einem Arbeitsgang möglich.
✓ Vollständig rückbaubar
Bei Rückbau der PV-Anlage: Profile abschneiden, Restfolie glatt verschweißen. Keine bleibenden Schäden.
✓ Geringeres Gewicht
Kein Ballast nötig. Ideal für Leichtbau-Hallen mit begrenzter Tragreserve.
Wann ist BST SB2 die richtige Wahl?
- Gewerbe-Neubau mit Folienabdichtung — Standard bei Logistik, Produktion, Handel seit ~2010
- Miet-/Pachtgebäude — Mieter will PV, darf Dach nicht anbohren
- Dachgarantie muss erhalten bleiben — Versicherung oder Vermieter fordert durchdringungsfreie Montage
- Sanierungsdach — Neue Folie + PV in einem Arbeitsgang = optimale Kombination
- Leichtbau-/Trapezblechdächer — Wo Ballast-Systeme die Statik überlasten würden
- Flachdächer mit wenig Gefälle (< 5°) — Aufständerung auf Ballast rutscht, Kleben nicht
Häufige Frage: „Hält das bei Sturm?"
Ja. Die Statik wird für jeden Standort individuell berechnet — Windzone (1–4), Gebäudehöhe, Dachrandbereich, Geländekategorie. Die Klebepunkte werden dichter gesetzt wo höhere Windlasten auftreten (Rand, Ecke). Das Verfahren wird seit über 10 Jahren eingesetzt, ist bauaufsichtlich geprüft und hat sich auch bei Orkanen (Kyrill, Sabine) bewährt.
Gegenüberstellung der Montagesysteme
| Kriterium | BST SB2 Kleben | Ballast-System | Durchdringende Montage |
|---|---|---|---|
| Dachdurchdringung | Keine | Keine | Ja (viele) |
| Dachgarantie | Bleibt erhalten | Bleibt erhalten | Erlischt oft |
| Gewicht | Minimal (~3 kg/m²) | Hoch (15–25 kg/m²) | Minimal |
| Windsogsicherheit | Statisch nachgewiesen | Nur durch Masse | Statisch nachgewiesen |
| Rückbau | Einfach, keine Schäden | Einfach | Löcher verbleiben |
| Montagezeit | Mittel (Aushärtung 24h) | Schnell | Schnell |
| Eignung Leichtbau | Ja | Nein (zu schwer) | Ja |
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