Verdrosselt, unverdrosselt oder aktiv gefiltert — welche Kompensation passt?
Die Bauart einer Kompensationsanlage entscheidet über Lebensdauer und Netzqualität. Warum heute fast alles verdrosselt gebaut wird, wann ein aktiver Filter nötig ist — und welcher Fehler Kondensatoren zerstört.
Die eine Frage, die alles entscheidet: Oberschwingungen
Ob Ihre Kompensation verdrosselt oder unverdrosselt sein muss, hängt fast nur an einem: dem Oberschwingungsgehalt (THD) in Ihrem Netz. Frequenzumrichter, LED-Technik, Netzteile und Schaltnetzgeräte erzeugen Oberschwingungen — und die bringen ungeschützte Kondensatoren in Gefahr.
Unverdrosselt — nur im Ausnahmefall
Reine Kondensatorstufen ohne Drossel sind günstig, aber riskant: Kondensatoren und Netzinduktivität bilden einen Schwingkreis. Trifft dessen Resonanzfrequenz eine vorhandene Oberschwingung, entstehen gefährliche Resonanzströme — bis zur Zerstörung der Kondensatoren. Unverdrosselt ist heute nur vertretbar, wenn Oberschwingungen sicher ausgeschlossen sind. Das ist selten.
Verdrosselt — der Standard
Bei der verdrosselten Kompensation sitzt vor jedem Kondensator eine Drossel. Das Reihen-LC verschiebt die Resonanz unter die niedrigste störende Oberschwingung — die Anlage kann nicht mehr in Resonanz geraten. Übliche Verdrosselungsgrade sind 7 % und 14 %; welcher passt, sagt die Messung (u. a. abhängig davon, ob Tonfrequenz-Rundsteuersignale im Netz geschützt werden müssen).
Eiserne Regel: Verdrosselte und unverdrosselte Stufen dürfen nie im selben Netz laufen — die Parallelschaltung bildet einen neuen Schwingkreis.
Aktiver Filter — bei hoher Oberschwingungslast
Betriebe mit vielen Umrichtern (Antriebstechnik, Fördertechnik, große Lüftungen) haben oft so viel Oberschwingungsgehalt, dass ein aktiver Filter sinnvoll ist. Er kompensiert Blindleistung und filtert Oberschwingungen aktiv aus — meist in Kombination mit einer verdrosselten Stufe. Das verbessert nicht nur den cosφ, sondern auch Prozesssicherheit und Produktqualität.
Fazit: Die richtige Bauart kommt aus der Netzanalyse, nicht aus dem Katalog. Erst messen, dann auslegen.
Tiefer eintauchen: So regelt die Anlage & was 7 % / 14 % Verdrosselung bedeuten
In drei Schritten zur richtigen Bauart
1. Netz messen
Power-Quality-Messung: Lastprofil, cos φ und vor allem der Oberschwingungsgehalt (THD).
2. Störungen bewerten
Welche Oberschwingungen sind da, wie stark — und liegt ein Rundsteuersignal im Weg?
3. Bauart festlegen
Verdrosselungsgrad (7 % / 14 %), Bauart und Leistung — passgenau.
Kurz: Eine gute Blindleistungskompensation beginnt immer mit der Messung. So vermeiden Sie eine falsch ausgelegte Blindstromkompensation, die im schlimmsten Fall selbst Störungen verursacht.
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