Elektroplanung im Neubau: sieben Punkte, die Architekten früh klären sollten
Die teuersten Elektro-Fehler entstehen im Grundriss, nicht auf der Baustelle. Was in Leistungsphase 2–3 entschieden werden muss — vom Zählerplatz über die GEIG-Stellplätze bis zu den Leerrohren, die in zehn Jahren Gold wert sind.
1. Der Technikraum ist keine Restfläche
Zählerschrank, Netzwerkverteiler, Wärmepumpen-Regelung, Speicher, Lastmanagement — die Haustechnik im Neubau braucht heute deutlich mehr Wand- und Stellfläche als vor zehn Jahren. Wird der Technikraum im Entwurf als Restfläche behandelt, rächt sich das doppelt: erst in der Ausführung (alles wird gequetscht), später bei jeder Erweiterung.
Faustregel: Platz für den heutigen Bedarf plus eine freie Wandfläche als Reserve — dort landen später Speicher, Wallbox-Verteilung oder die PV-Technik.
2. Zählerplatz nach VDE-AR-N 4100 — nicht nach Gefühl
Der Zählerplatz ist die Schnittstelle zum Netzbetreiber, und dort gilt die VDE-AR-N 4100 mit den Technischen Anschlussbedingungen des jeweiligen Netzbetreibers. Höhe, Felder, Raum für Zusatzanwendungen und Kommunikation (Stichwort intelligente Messsysteme) sind vorgegeben — und je nach Wohnungszahl summiert sich das schnell auf mehr Schrankbreite als gedacht.
Wer hier zu knapp plant, bekommt die Anlage im schlimmsten Fall nicht angeschlossen, bis nachgebessert ist. Wir planen Zählerplätze so, dass der Netzbetreiber beim ersten Termin abnimmt — und bauen die Schränke in der eigenen Fertigung.
3. Ausstattungsniveau festlegen — mit DIN 18015 und RAL-RG 678
„Wie viele Steckdosen kommen ins Wohnzimmer?" ist keine Baustellenfrage, sondern eine Planungsentscheidung. Die DIN 18015 definiert die Mindestausstattung und die Planungsgrundlagen, die RAL-RG 678 beschreibt darüber liegende Ausstattungswerte — inklusive der „plus"-Stufen mit vorbereiteter Nachrüstung.
Für Architekten ist das ein nützliches Werkzeug im Bauherrengespräch: Statt endloser Einzeldiskussionen wird einmal ein Niveau vereinbart, und die Fachplanung setzt es konsistent durchs ganze Gebäude um.
4. GEIG: Stellplätze sind jetzt Elektroplanung
Das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) macht Leitungsinfrastruktur für Ladepunkte zur Pflicht: Beim Neubau von Wohngebäuden mit mehr als fünf Stellplätzen muss jeder Stellplatz mit Leitungsinfrastruktur (Leerrohre/Schutzrohre) ausgestattet werden; bei Nichtwohngebäuden mit mehr als sechs Stellplätzen mindestens jeder dritte — plus mindestens ein betriebsbereiter Ladepunkt.
Das betrifft den Entwurf direkt: Trassen von der Verteilung zu den Stellplätzen, Platz für Lastmanagement und die Frage, wie die Anschlussleistung zwischen Laden, Wärmepumpe und Haushalt aufgeteilt wird.
Unsere Empfehlung: nicht nur die Pflicht erfüllen, sondern gleich die Vollausstattung mit Leerrohren prüfen — im Rohbau kostet ein Rohr wenige Euro, nachträglich kostet dieselbe Strecke Tiefbau.
5. Überspannungsschutz ist Pflicht, kein Extra
Seit der DIN VDE 0100-443/-534 ist Überspannungsschutz in Neubauten der Regelfall, nicht die Ausnahme. Für die Planung heißt das: Platz im Zählerschrank bzw. in der Verteilung vorsehen und das Schutzkonzept (Typ 1/2/3, Blitzschutz-Schnittstelle) früh festlegen — besonders, wenn PV aufs Dach kommt.
6. PV-ready und WP-ready bauen — auch ohne PV und Wärmepumpe
Selbst wenn der Bauherr heute keine PV will: Leerrohr vom Dach bis zum Technikraum, Reserveplatz im Zählerschrank, ausreichend dimensionierte Zuleitung — das sind im Neubau Cent-Beträge und später der Unterschied zwischen einem Nachmittag Arbeit und einer Kernbohrungs-Odyssee. Dasselbe gilt für die Wärmepumpen-Zuleitung und den Sperrzeiten-fähigen Zählerplatz.
In vielen Bundesländern kommt die Solarpflicht ohnehin: Bei Neubauten ist die Vorrüstung dann keine Kür mehr, sondern die günstigste Art, eine Pflicht zu erfüllen, die absehbar ist.
7. Koordination: Schlitze, Durchbrüche, Kollisionen
Elektro ist das Gewerk mit den meisten Metern im Gebäude — und kollidiert deshalb mit allen anderen. Eine saubere Schlitz- und Durchbruchsplanung vor der Rohbau-Ausführung erspart die Diskussionen auf der Baustelle, bei denen am Ende immer der Statiker verliert. Wir liefern sie als Teil der Ausführungsplanung und stimmen uns direkt mit den anderen Fachplanern ab.
Alle Bausteine im Überblick: Elektroplanung bei AC SOLAR Install — als Fachplanung fürs Architekturbüro auf Wunsch auch white-label.
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